Tajogaite

 

Damit war auf La Palma immer zu rechnen und doch hat niemand damit gerechnet. Es war kein Geheimnis, dass sich eine Magmablase unterhalb der südlichen Insel bis hin zur Nachbarinsel El Hierro erstreckt. 1972 gab es einen Vulkanausbruch im Süden, der aber kaum Schäden verursachte, 1949 brach ein Vulkan weiter nördlich aus. In den letzten Jahren gab es immer wieder Erdbebenschwärme, meistens kaum spürbar. Im Spätsommer 2021 verstärkten sich die Aktivitäten und am 19. September brach der Vulkan aus, weiter nördlich als erwartet. Zunächst wurde immer vom Cumbre Vieja gesprochen. So heißt der ganze Gebirgszug. Später wurde von den Inselbewohnern der Name Tajogaite ausgewählt, der Name bezieht sich auf das Gebiet des Ausbruchs.

Bis zum 13. Dezember 2021 spuckte der Vulkan Unmengen an Lava und Asche aus. Heute raucht er immer noch leicht vor sich hin. 2.500 Gebäude wurden begraben, Dörfer komplett ausgelöscht. Die Lavaschicht ist teilweise bis zu 50 m dick und auch ein Jahr später noch nicht abgekühlt. 


Das Dorf La Laguna wurde halb zerstört. Auf der östlichen Seite der Durchgangsstraße hat sich die Lava durch die Häuser geschoben, einzelne Häuser auf der linken Straßenseite brannten aus, andere blieben verschont und sind wieder bewohnt. Die Lava ist vom Gebirgszug bis ins Meer geflossen, hat die Straßenverbindungen, aber auch Versorgungsleitungen unterbrochen. 




Über die teilweise noch mehrere hundert Grad heiße Lava wurde nach wenigen Monaten versucht, eine Straßenverbindung wieder herzustellen. Der Weg von Puerto Naos, südlich der Lavaströme, nach Los Llanos, nördlich der Lavaströme dauerte vor dem Ausbruch 20 Fahrminuten, nachdem die Lava bis ins Meer strömte rund um die Südspitze der Insel zwei Stunden. Bereits im Sommer 2022 war die provisorische Piste tagsüber einspurig befahrbar, dann zweispurig, nun seit Anfang Dezember auch an 24 Stunden täglich. Allerdings wegen des teilweise noch heißen Untergrunds können nur Autos passieren, anhalten und aussteigen ist verboten. Da Kabel noch nicht verlegt werden können, wurden Solarlaternen aufgestellt.





Von der Straße aus zu sehen, die von Lava eingeschlossene Finca El Morales in Todoque, in der wir vor 18 Monaten gewohnt haben. Das Gebäude liegt auf einem Hügel. Die Lava begrub den Garten rundherum, schob sich durch das Erdgeschoss, jedoch "unsere" Wohnung im ersten und zweiten Stock blieb unbeschädigt, ist überraschenderweise nicht ausgebrannt. Es hängen sogar noch die Vorhänge vor den Fenstern.  


Andere Gebäude hatten weniger Glück. 126 temporäre Häuser wurden bisher gebaut, um Familien zumindest erstmal eine Bleibe zu verschaffen. Diese Ausweichgebäude in Los Llanos und El Paso sind in Holzbauweise errichtet oder schlichtweg aus Containern gebaut. In Los Llanos sieht man auch noch Kolonien von Wohnwagen und Wohnmobilen, die nun als Heim dienen. 

Es ist ein gar nicht sooo großer Teil der Insel vom Vulkan betroffen, allerdings ist "das Biest", wie es hier auch genannt wird, direkt oberhalb eines dicht besiedelten Gebietes ausgebrochen. Im Inselbild heute erscheint der Vulkan Tajogaite eher klein als dominant, doch durch seine Aktivität wurden teilweise haushohe Lavasteine zu Tal geschoben. Solche Teile brachen immer wieder aus den Flanken des Vulkans aus. 

Lavafontänen stiegen bis zu 600 m auf, die Asche erreichte Höhen von bis zu 8.500 m. Monatelang fiel feinste Lavaasche auf große Teile der Insel. 

Noch heute sind zwei Orte, das Touristenzentrum Puerto Naos und das Dorf Bombilla, nicht bewohnbar, weil große Mengen von CO2 ausgasen. 
















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